
Geistlicher Impuls für den Diakonieboten II/2026
Gedenkt der Gefangenen – Das Herz der Diakonie
Für den Monat Juni ist uns ein wirklich diakonisches Wort aus dem Hebräerbrief mit auf den Weg gegeben. Hier heißt es:
„Gedenkt der Gefangenen, als wärt ihr Mitgefangene, und derer, die misshandelt werden, weil auch ihr noch im Leibe lebt.“
(Hebräer 13,3)
Wenn wir an „Gefangene“ denken, erscheinen vor unserem inneren Auge oft Mauern, Gitterstäbe und schwere Türen. Doch der Schreiber des Hebräerbriefs meint mehr als nur den buchstäblichen Strafvollzug. Er spricht von einer Haltung, die das Fundament unserer diakonischen Arbeit bildet: die radikale Empathie.
In der Diakonie begegnen wir täglich Menschen, die in unsichtbaren Gefängnissen leben. Da ist die Seniorin, die durch ihre Immobilität in ihrer eigenen Wohnung gefangen ist. Da ist der junge Mann, der in der Spirale einer Sucht feststeckt, oder die Familie, die durch Armut von der gesellschaftlichen Teilhabe ausgeschlossen bleibt. Sie alle sind „Gefangene“ ihrer Umstände, ihrer Krankheiten oder ihrer sozialen Isolation.
Der Bibelvers fordert uns zu etwas Unglaublichem auf: Wir sollen gedenken, „als wärt ihr Mitgefangene“. Das ist mehr als ein kurzes Mitleid im Vorbeigehen. Es ist die Einladung, die Perspektive zu wechseln. Diakonie bedeutet nicht, von oben herab Hilfe zu leisten, sondern sich auf Augenhöhe zu begeben. Es geht darum, den Schmerz des anderen so nah an sich heranzulassen, dass die Grenze zwischen „Helfenden“ und „Hilfsbedürftigen“ verschwimmt.
Warum tun wir das? Der Vers gibt uns eine schlichte, aber tiefe Begründung: „…weil auch ihr noch im Leibe lebt.“ Wir sind alle verletzlich. Wir alle sind Teil der menschlichen Gemeinschaft, die Schmerz, Alter und Not kennt. Niemand von uns ist davor gefeit, selbst einmal hinter eine dieser unsichtbaren Mauern zu geraten. Diese gemeinsame menschliche Erfahrung verbindet uns. Sie macht uns zu Schwestern und Brüdern.
In unserem oft stressigen Arbeitsalltag – zwischen dem Verfassen von Dokumentationen, auf uns lastendem Termindruck und der Suche nach Menschen, die uns in unserer Arbeit unterstützen – mag diese Forderung nach tiefem Mitgefühl manchmal wie eine Last erscheinen. Doch eigentlich ist sie eine Entlastung: Wir müssen nicht perfekt sein. Wir müssen nur menschlich bleiben. Wenn wir einen Moment innehalten und dem Gegenüber wirklich begegnen, bricht das Licht der Hoffnung durch die Gitterstäbe der Einsamkeit.
„Gedenkt der Gefangenen, als wärt ihr Mitgefangene, und derer, die misshandelt werden, weil auch ihr noch im Leibe lebt.“
Gedenken wir also heute jener, die im Verborgenen leiden. Nicht als Außenstehende, sondern als Weggefährten. Denn in der Zuwendung zum Nächsten erfahren wir letztlich selbst, was es heißt, befreit und geliebt zu sein.
Aber gedenken und danken wir auch all jenen, die sich hier in unserem Diakonischen Werk, aber auch darüber hinaus, für Menschen einsetzen, die unsere Unterstützung so dringend brauchen.
Micha Hofmann, Amtsleiter des Kreiskirchenamtes Mühlhausen
Stand 29.06.2026

Geistlicher Impuls für den Diakonieboten I/2026
Liebe Leserin und lieber Leser!
Kommt Ihnen die Zeit zwischen Weihnachten und Ostern auch so kurz vor? Gefühlt stand der Weihnachtsbaum noch in der Stube und schon geht es ans Eierfärben. Und doch liegen um die 30 Jahre zwischen Jesu Geburt und seinem Tod und Auferstehung an Karfreitag und Ostersonntag. In diesem Zeitraum hat Jesus den Menschen auf besondere Weise Gott nahegebracht und gleichzeitig auch verärgert. Er hat sie mit dem Willen Gottes konfrontiert und dadurch erreicht, dass Ausgestoßene wieder aufgenommen wurden, aber auch andere gegen sich aufgebracht, die ihre eigenen Moralvorstellungen über das Wohl und Leben anderer setzten. Dieser Konflikt hat Jesus ans Kreuz gebracht und die Liebe Gottes erweckte ihn zum ewigen Leben. Gott will den Frieden auf der Welt. Wir leben in einer friedlosen Welt und es ist zum aus der Haut fahren mit welchen Lügen, das alles begründet wird und wie Menschen auf diese Lügen hereinfallen. Christus spricht: „Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben; niemand kommt zum Vater denn durch mich.“ Der Weg zum Frieden IST die Wahrheit. Nur eine Lebensführung, die Frieden schafft, erhält und festigt, bewegt sich auf dem Weg der Wahrheit Gottes. Der Frieden ist die Grundvoraussetzung, dass Leben gelingt. Im Frieden können wir uns um andere Menschen kümmern und ihnen neue und gute Lebensmöglichkeiten eröffnen. Ich wünsche Ihnen und Ihren Familien eine friedvolle Osterzeit!
Pfarrer Marc Pokoj, Vorsitzender des Aufsichtsrates
Stand 01.04.2026