Glaubensschulung für Leitungskräfte des Diakonisches Werk Eichsfeld-Mühlhausen e. V.
Was trägt diakonisches Handeln? Welche Bedeutung haben christliche Traditionen für unseren Arbeitsalltag? Und wie können Glaube, persönliche Werte und verantwortungsvolle Führung miteinander verbunden werden? Mit diesen und weiteren Fragen beschäftigten sich die Leitungskräfte des Diakonisches Werk Eichsfeld-Mühlhausen e. V. gemeinsam mit Pfarrer Pokoj im Rahmen einer Glaubensschulung, die von März bis September 2026 an bislang drei Tagen stattfand.
Weiterlesen: Glauben verstehen – Verantwortung gestaltenZiel der Schulung war es, christliche Grundlagen und diakonische Werte neu zu entdecken, vorhandenes Wissen aufzufrischen und miteinander ins Gespräch zu bringen. Dabei stand nicht allein die Vermittlung von Wissen im Vordergrund. Vielmehr ging es auch darum, einen persönlichen Zugang zu den Themen zu finden und gemeinsam zu reflektieren, welche Rolle Glaube, christliche Traditionen und eigene Werte für das berufliche Handeln spielen können.
Im ersten Modul standen die christlichen Grundlagen im Mittelpunkt. Die Teilnehmerinnen setzten sich mit der Organisationsstruktur der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland, der Entstehung und Entwicklung der verschiedenen christlichen Konfessionen sowie dem Aufbau des Alten und Neuen Testaments auseinander. Dabei blieb es nicht bei der reinen Wissensvermittlung: Ausgewählte Bibelverse wurden gemeinsam gelesen, interpretiert und diskutiert. Der persönliche Austausch eröffnete dabei unterschiedliche Perspektiven und machte deutlich, wie vielfältig Zugänge zu biblischen Texten sein können. Gleichzeitig wurden historische und strukturelle Zusammenhänge sichtbar, die helfen, kirchliche und diakonische Entwicklungen besser zu verstehen und einzuordnen.
Das zweite Modul widmete sich ausführlich dem Kirchenjahr. Die verschiedenen Fest- und Gedenkzeiten wurden in ihrer Entstehung und Bedeutung betrachtet und mit den jeweiligen Symbolen und Traditionen in Verbindung gebracht. Dabei zeigte sich schnell, wie vielfältig und umfangreich die christlichen Festkreise tatsächlich sind.
Die Teilnehmerinnen waren überrascht, wie viele Bedeutungen, Geschichten und Bräuche sich hinter den einzelnen Feiertagen verbergen. Darüber hinaus standen die Sakramente und der Gottesdienst im Mittelpunkt. Die Auseinandersetzung mit Symbolen, Ritualen und liturgischen Formen eröffnete dabei einen neuen Blick auf vertraute Traditionen. Gleichzeitig wurde deutlich, dass christliche Rituale nicht nur Ausdruck des Glaubens sind, sondern Menschen Orientierung, Gemeinschaft und Halt geben können.
Im dritten Modul rückte das Thema Kommunikation in den Mittelpunkt. Ausgangspunkt war der bekannte Grundsatz des Kommunikationswissenschaftlers Paul Watzlawick: „Man kann nicht nicht kommunizieren.“. Gemeinsam wurden verschiedene Ebenen und Formen der Kommunikation betrachtet – von der verbalen bis zur nonverbalen Kommunikation. Dabei ging es auch um die Frage, wie Botschaften wahrgenommen werden, welche Rolle Körpersprache und Haltung spielen und wie Kommunikation im beruflichen Alltag bewusst gestaltet werden kann. Ein besonderer Schwerpunkt lag auf der Auseinandersetzung mit den eigenen Werten. Im anschließenden Austausch wurde deutlich, wie unterschiedlich persönliche Erfahrungen, Überzeugungen und Wertvorstellungen sein können. Gleichzeitig wurde sichtbar, dass gerade diese Unterschiedlichkeit eine Gemeinschaft bereichern kann. Denn Vielfalt bedeutet nicht zwangsläufig Trennung – sie kann vielmehr dazu beitragen, unterschiedliche Perspektiven zusammenzuführen und voneinander zu lernen. Den Abschluss des Moduls bildete die Beschäftigung mit dem Leitbild der Diakonie Mitteldeutschland. Gemeinsam wurde der Frage nachgegangen, was die darin formulierten Werte und Grundsätze für das eigene Handeln bedeuten und wie sie sich im täglichen Miteinander, in der Führung und in der Zusammenarbeit widerspiegeln.
Das große Interesse an den bisherigen Veranstaltungen und die weiteren Anfragen haben gezeigt, dass der Wunsch nach einer Vertiefung und vor allem nach einer praktischen Auseinandersetzung mit den Inhalten besteht. Deshalb wird es ein zusätzliches Praxismodul in einer Kirche geben, das ursprünglich nicht Teil der Planung war. Hier soll das bisher Erarbeitete unmittelbar erfahrbar werden. Im Mittelpunkt eines „Laborgottesdienstes“ stehen der Gottesdienst und sein Ablauf, die Bedeutung einzelner Elemente sowie die Symbolik und ihre Wirkung.
Damit erhält die Glaubensschulung eine weitere, ganz praktische Dimension: Was zuvor besprochen und theoretisch betrachtet wurde, kann nun in einem konkreten kirchlichen Raum erlebt und nachvollzogen werden.
Die drei Module haben gezeigt, dass Glaubensbildung weit mehr sein kann als die Vermittlung von kirchengeschichtlichem oder biblischem Wissen. Sie schafft Raum für persönliche Fragen, neue Perspektiven und einen offenen Austausch. Denn diakonisches Handeln bedeutet nicht nur, Verantwortung für Strukturen, Mitarbeitende und Aufgaben zu übernehmen. Es bedeutet auch, die Haltung und Werte, die hinter dem eigenen Handeln stehen, immer wieder bewusst in den Blick zu nehmen.
Glaube verstehen. Werte leben. Verantwortung übernehmen.
Darin liegt ein wesentlicher Teil dessen, was diakonisches Handeln ausmacht.