Tag der wohnungslosen Menschen 2026 – Hinschauen. Aktiv werden.

Wohnungslosigkeit kann jeden treffen – und sie beginnt häufig lange bevor ein Mensch auf der Straße lebt.

 Jedes Jahr am 11. September findet der bundesweite Tag der wohnungslosen Menschen statt. 2026 steht Dieser unter dem Motto „Hinschauen. Aktiv werden. – Gemeinsam gegen Wohnungsnot“. Der Aktionstag wurde im Jahr 1993 von Selbstvertretungen wohnungsloser Menschen ins Leben gerufen, um auf die wachsende Zahl Betroffener hinzuweisen und die gesellschaftliche Diskussion über Ursachen und Lösungen anzuregen. Der Tag rückt die Lebenssituation wohnungsloser Menschen in den Fokus, macht Wohnungslosigkeit sichtbar und setzt ein Zeichen gegen Vorurteile und Ausgrenzung. Gleichzeitig soll er auf strukturelle Herausforderungen hinweisen – wie steigende Mieten, zunehmende Wohnungsknappheit und fehlende Präventionsangebote. Wohnungslosigkeit ist längst kein Randphänomen. Die aktuellen Hochrechnungen der Bundesarbeitsgemeinschaft Wohnungslosenhilfe (BAGW) zeigen, dass 2024 mindestens 1.029.000 Menschen in Deutschland wohnungslos waren – Tendenz steigend. Doch hinter dieser Zahl stehen keine Statistiken, sondern Menschen: Menschen mit individuellen Lebensgeschichten, persönlichen Krisen, Hoffnungen und Zukunftswünschen.

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Wohnungslosigkeit hat viele Gesichter

Wenn wir an Wohnungslosigkeit denken, haben viele zunächst das Bild eines Menschen vor Augen, der auf der Straße lebt. Betroffene werden meist stigmatisiert und diskriminiert. Tatsächlich ist Wohnungslosigkeit jedoch wesentlich vielfältiger. Oft beginnt der Weg in die Wohnungslosigkeit schleichend: durch den Verlust des Arbeitsplatzes, finanzielle Schwierigkeiten, Mietschulden, Trennung und Scheidung, familiäre Konflikte, gesundheitliche oder psychische Belastungen oder fehlenden bezahlbaren Wohnraum. Nicht selten kommen mehrere dieser Faktoren zusammen. Eine Kündigung oder Räumung ist dabei häufig nicht der Anfang des Problems, sondern bereits das Ergebnis einer längeren Entwicklung. 

Frühzeitig hinschauen – Wohnungslosigkeit verhindern

Ein wichtiger Bestandteil der Wohnungsnotfallhilfe ist deshalb die Prävention. Wer frühzeitig Unterstützung erhält, hat bessere Chancen, den Verlust der eigenen Wohnung zu verhindern. Dabei gilt: je früher Hilfe angenommen wird, desto größer sind die Möglichkeiten, gemeinsam Lösungen zu entwickeln. Wohnungslosigkeit zu verhindern bedeutet daher nicht nur, Menschen nach einem Wohnungsverlust zu unterstützen. Es bedeutet vor allem, rechtzeitig hinzuschauen und Hilfsangebote bekannt zu machen! 

Hilfe bedeutet mehr als ein Dach über dem Kopf

Die Unterstützung wohnungsloser Menschen endet nicht mit der Vermittlung einer Unterkunft oder Wohnung. Häufig braucht es zunächst Stabilisierung, Vertrauen und eine verlässliche Beziehung. Gemeinsam mit den Betroffenen können weitere Schritte entwickelt werden – beispielsweise bei Behördenangelegenheiten, finanziellen Problemen, gesundheitlichen Belastungen, der Sicherung des Lebensunterhalts oder bei der Suche nach dauerhaftem Wohnraum. Dabei ist es wichtig, Menschen nicht auf ihre Wohnungslosigkeit zu reduzieren. Wohnungslosigkeit ist eine Lebenssituation – sie ist nicht die Identität eines Menschen!

Auch im Unstrut-Hainich-Kreis braucht es Aufmerksamkeit

Im Projekt „Beratung und Begleitung zur Wohnraumsicherung“ unterstützen die Mitarbeiterinnen  vom Diakonischen Werk Eichsfeld-Mühlhausen e.V. täglich Menschen in Wohnungsnot mit dem Ziel, bestehende Wohnverhältnisse zu sichern oder neuen Wohnraum zu finden. Denn nicht nur in großen Städten, wie Berlin oder Frankfurt ist Wohnungslosigkeit ein Problem. Auch im ländlicheren Raum wie dem Unstrut-Hainich-Kreis ist Wohnungsnot schon längst kein Einzelfall mehr! Gerade hier sind funktionierende regionale Netzwerke besonders wichtig. Beratungsstellen, soziale Dienste, Behörden, Wohnungsunternehmen, Vermieter sowie weitere Kooperationspartner können gemeinsam dazu beitragen, Wohnungsverluste zu verhindern und neue Perspektiven zu schaffen. Unser Ziel sollte sein, nicht erst dann zu handeln, wenn ein Mensch bereits seine Wohnung verloren hat! Betroffenen wird meist wenig Beachtung geschenkt. Als Mitarbeiterinnen des Projektes „Beratung und Begleitung zur Wohnraumsicherung“ war es uns deshalb eine Herzensangelegenheit, anlässlich des Tages der Wohnungslosen die Gelegenheit zu nutzen, den Menschen in Wohnungsnot eine Stimme und Raum zum Austausch über das Thema Wohnungslosigkeit zu geben, um vielleicht damit auch nachhaltige Veränderungen zu. Daher waren wir am Freitag, den 11.09.2026 mit einem Informationsstand auf dem Wiesenfest in der Martinivorstadt in Mühlhausen vertreten. Besucherinnen und Besucher des Festes beteiligten sich aktiv an Gesprächen und zeigten mit ihrem Interesse Solidarität und Zusammenhalt für unsere Gesellschaft.

 Hinschauen. Zuhören. Handeln.

Der Tag der wohnungslosen Menschen ist deshalb mehr als ein Aktionstag. Er ist eine Einladung, die eigene Wahrnehmung zu hinterfragen.

Werden Menschen gesehen oder übersehen?

Werden ihre Geschichten gehört?

Welche Unterstützung brauchen sie tatsächlich?

Und was können wir gemeinsam tun, damit Wohnungslosigkeit gar nicht erst entsteht?

 Der diesjährige Aufruf der BAGW bringt es auf den Punkt: „Hinschauen. Aktiv werden.“ Denn Wohnungslosigkeit ist eine gesellschaftliche Aufgabe, die nicht allein von den Betroffenen oder von sozialen Einrichtungen bewältigt werden kann. Eine Wohnung ist mehr als vier Wände. Sie bedeutet Sicherheit, Privatsphäre, Schutz und gesellschaftliche Teilhabe. Denn Wohnen ist ein Menschenrecht – und kein Luxus! Und deshalb beginnt Hilfe manchmal mit etwas ganz Einfachem: hinzuschauen, zuzuhören und einen Menschen nicht auf seine aktuelle Lebenssituation zu reduzieren.

Setzen Sie ein Zeichen zur Unterstützung wohnungsloser Menschen – gegen Vorurteile, für Chancengleichheit!