Bürgerdialog zum Thema „Zusammenhalt in Vielfalt“

Rund 50 Teilnehmende kamen am 21. Mai 2026 in der Stadtbibliothek Mühlhausen zum Aktionstag „Zusammenhalt in Vielfalt“ zusammen. Eingeladen hatte das Diakonische Werk Eichsfeld-Mühlhausen e.V., um gemeinsam mit Gästen aus Stadt, Landkreis, Landespolitik, Kirche und Zivilgesellschaft über Dialog, Begegnung und konkrete Handlungsmöglichkeiten vor Ort zu sprechen.

Der Abend machte deutlich: Zusammenhalt entsteht dort, wo Menschen einander zuhören, unterschiedliche Perspektiven aushalten und gemeinsam Verantwortung für ein gutes Miteinander übernehmen.

Mühlhausen. Rund 50 Teilnehmende kamen am 21. Mai 2026 in der Stadtbibliothek Mühlhausen zusammen, um beim Aktionstag „Zusammenhalt in Vielfalt“ über gesellschaftlichen Zusammenhalt, Dialog und konkrete Handlungsmöglichkeiten in der Region zu sprechen. Eingeladen hatte das Diakonische Werk Eichsfeld-Mühlhausen e.V. – bewusst an einen Ort, der wie kaum ein anderer für Bildung, Begegnung und öffentliche Debattenkultur steht. Gefördert wurde die Veranstaltung durch „Demokratie leben!“.

Bereits zu Beginn wurde deutlich, dass der Abend nicht bei abstrakten Begriffen stehen bleiben sollte. Im Mittelpunkt stand die Frage, wie Zusammenhalt im Alltag entstehen kann: durch Begegnung, gegenseitiges Zuhören und die Bereitschaft, unterschiedliche Perspektiven auszuhalten. Sandy Kirchner, Mitarbeiterin des Diakonischen Werkes und Moderatorin des Abends, eröffnete die Veranstaltung und führte durch das Programm.

Den thematischen Auftakt gestaltete Fabian Klaus von FUNKE Medien Thüringen mit einem Impuls zu gesellschaftlichen Spannungen, Debattenkultur und der Frage, wie Gesprächsfähigkeit trotz zunehmender Polarisierung erhalten bleiben kann. Dabei wurde deutlich, wie wichtig es ist, kontroverse Themen sachlich zu diskutieren, ohne den respektvollen Umgang miteinander aus dem Blick zu verlieren. Gerade in Zeiten gesellschaftlicher Verunsicherung braucht es Räume, in denen Menschen einander begegnen und miteinander ins Gespräch kommen können.

In der anschließenden Podiumsdiskussion diskutierten Ann-Kristin Zabel-Fröhlich, 2. Beigeordnete der Stadt Mühlhausen, Thomas Ahke, Landrat des Unstrut-Hainich-Kreises, Jonas Urbach, Mitglied des Thüringer Landtags, Pfarrer Marc Pokoj, Aufsichtsratsvorsitzender des Diakonischen Werkes Eichsfeld-Mühlhausen e.V. sowie Oleg Shevchenko, Stadtrat in Mühlhausen. Die Diskussion machte sichtbar, dass Zusammenhalt vor Ort täglich gelebt wird – im Ehrenamt, in Nachbarschaften, in Vereinen, Kirchengemeinden, sozialen Einrichtungen und kommunalen Unterstützungsstrukturen.

Zugleich wurden auch bestehende Herausforderungen benannt. Dazu gehören soziale Unsicherheiten, die Überlastung von Hilfesystemen, fehlende Begegnungsräume sowie eine zunehmende Schärfe in der öffentlichen Kommunikation. Die Teilnehmenden auf dem Podium waren sich darin einig, dass Zusammenhalt nicht von allein entsteht, sondern verlässliche Strukturen, erreichbare Angebote und Menschen braucht, die bereit sind, Verantwortung zu übernehmen.

Aus Sicht der Stadt wurde besonders die Bedeutung öffentlicher Orte hervorgehoben. Orte wie die Stadtbibliothek schaffen niedrigschwellige Möglichkeiten der Begegnung und tragen dazu bei, dass Menschen unterschiedlicher Generationen, Herkunft und Lebenssituationen miteinander in Kontakt kommen können. Auch der Landkreis machte deutlich, dass gesellschaftliche Teilhabe auf verlässliche Angebote angewiesen ist – von Jugendhilfe und Beratung über Integration bis hin zu sozialen Unterstützungsstrukturen. Dabei wurde die enge Zusammenarbeit zwischen Kommune, Landkreis und freien Trägern als wichtige Grundlage benannt.

Aus landespolitischer Perspektive wurde zudem auf die Bedeutung langfristiger Planung und verlässlicher Finanzierung hingewiesen. Gute Projekte vor Ort brauchen Stabilität, damit sie nachhaltig wirken können. Pfarrer Marc Pokoj brachte die Bedeutung von Vertrauen, Alltagssolidarität und Gesprächsfähigkeit ein. Zusammenhalt zeige sich nicht nur in großen Programmen, sondern ebenso in kleinen Gesten, im Zuhören, im Dasein füreinander und im Brückenbauen – gerade dann, wenn Positionen auseinandergehen.

Oleg Shevchenko ergänzte die Perspektive von Engagement, Stadtgesellschaft und Erinnerungskultur. Dabei wurde deutlich, dass Vielfalt auch sichtbar gemacht und geschützt werden muss. Orte der Erinnerung, Kultur und Bildung leisten hierzu einen wichtigen Beitrag und stärken das Bewusstsein dafür, dass Vielfalt zur Geschichte und Gegenwart Mühlhausens gehört.

In der moderierten Publikumsrunde nutzten zahlreiche Gäste das Handmikro, um Fragen zu stellen, Erfahrungen zu teilen und eigene Perspektiven einzubringen. Besonders häufig ging es um die Stärkung von Begegnungsformaten, Unterstützung für Ehrenamtliche sowie darum, wie Menschen mit unterschiedlichen Sichtweisen wieder besser miteinander ins Gespräch kommen können.

Zum Abschluss wurde spürbar, dass viele Menschen in Mühlhausen bereit sind, sich einzubringen und Verantwortung für ein gutes Miteinander zu übernehmen. Diese Bereitschaft ist eine wichtige Ressource für die Stadtgesellschaft. Im Anschluss an die Veranstaltung bestand bei Getränken und kleinen Gaumenfreuden die Möglichkeit, miteinander ins Gespräch zu kommen und den Austausch fortzusetzen.